Im Mรคrz 2023 besuchte Martina Hennig erstmals die Heritage Academy in Boabeng / Ghana. Fรผr die Reise hatte sich die pensionierte Grundschullehrerin als freiwillige Helferin gemeldet. Als sie wieder zurรผck in Berlin war, kam Christina Plettner vom Fรถrderverein Bildung schafft Gerechtigkeit e. V. auf sie zu: „Ich suche Paten fรผr Cecilia und Gideon, sonst mรผssen sie weiter im Busch leben und kรถnnen nicht zur Schule gehen.“ Hier erzรคhlen Christina und Martina die Geschichte der Kinder.
Rรผckblick 2022: Christina Plettner lernt die beiden Kinder kennen
Christina erzรคhlt: Als ich im November 2022 in Boabeng war, erzรคhlte mir der Projektmanager Joachim Boadi von zwei Kindern, die mitten im Busch leben und keinen Zugang zur Schulbildung haben.
An einem Freitag fuhren wir nach der Schule mit dem Motorrad los. Wie weit es allerdings bis zum Wohnort der Familie war, hatte ich vรถllig unterschรคtzt. Ich wusste zwar, dass die Hรผtte ziemlich abseits gelegen ist und dass wir einige Zeit fรผr die Fahrt einplanen mussten, um vor der Dunkelheit wieder zurรผck zu sein. Aber dass diese Fahrt wรคhrend der noch andauernden Regenzeit die reinste Mutprobe werden sollte, war mir nicht klar.
Wir fuhren etwa 45 Minuten รผber unbefestigte Straรen und auf engen Pfaden durch den Wald, durchquerten einen Fluss und holperten รผber viele Steine. Irgendwann verlieรen wir den dschungelรคhnlichen Wald, und es tat sich eine wunderbare Landschaft mit einem herrlichen Fernblick auf.
Inmitten dieser grรผnen Landschaft erreichten wir das Haus der Familie: einsam gelegen, von Wald und Farmland umgeben, gebaut aus Lehm und mit Palmenblรคttern eingedeckt.

Der Vater war zu Hause, weil Freitag der einzige Tag ist, an dem die Familie nicht auf der Farm arbeitet, um Yam und Mais anzubauen. Er begrรผรte uns freundlich. Seine Frau kam kurz darauf mit dem 10-jรคhrigen Gideon und der 6-jรคhrigen Cecilia zurรผck โ sie hatten Feuerholz gesammelt. Die Mutter trug das Baby auf dem Rรผcken und balancierte das Holz auf dem Kopf.
Die Kinder kamen nicht, wie ich das sonst gewohnt war, auf mich zu oder riefen mir etwas zu. Sie blieben in der Nรคhe ihrer Mutter und hielten einen gewissen Abstand zu uns. Mich nahmen sie interessiert, aber verhalten und distanziert zur Kenntnis.
Ich fragte mich: Wie oft kommt dort ein Besucher vorbei? Und noch dazu ein so komplett anders aussehender Mensch? Wir hatten Getrรคnke und Kekse dabei. Das Malbuch und die Stifte gab Mr. Boadi der kleinen Cecilia. Hatte sie jemals einen Stift in ihrer Hand?

Ich versuchte mir vorzustellen, wie die Kinder an diesem Fleck der Erde aufwachsen. Sie kamen nirgendwoanders hin, denn die Familie besitzt weder ein Lastentier, geschweige denn etwas Motorisiertes.
Cecilia und Gideon halfen auf der Farm mit, sie sammelten Feuerholz und schleppen Wasser. Das war ihr Alltag. Mr. Boadi bemerkte, dass die Kinder bei jedem Besuch dieselbe Kleidung tragen. Besitzen sie nur eine Hose und ein T-Shirt?
Mr. Boadi sprach mit dem Vater darรผber, ob seine Kinder zur Grundschule in die nรคchstgelegene Gemeinde gehen. Nein, dorthin kรถnne er sie nicht bringen, sie sei zu weit weg. Cecilia und Gideon wรผrden demnach nie eine Schule besuchen. In Ghana gibt es zwar eine Schulpflicht und ein Social Welfare Department, aber niemanden kรผmmert es, wenn ein Kind nicht zur Schule geht.
Dem Vater berichtete Mr. Boadi von unserem Schulprojekt in Boabeng. Er zeigte sich sehr offen und stimmte zu, zusammen mit seiner Frau und uns eine Lรถsung fรผr seine Kinder zu finden. Denn das geht nur gemeinsam.
Der Verein Bildung schafft Gerechtigkeit e.V. hat derzeit 15 Pateneltern fรผr 19 Kinder. Hier erfahren Sie mehr, wenn Sie sich fรผr eine Patenschaft bewerben mรถchten.
Seit 2023 kรผmmert sich Martina als Patin um Cecilia und Gideon

Martina erzรคhlt: Als Christina mich 2023 fragte, ob ich das Mรคdchen finanziell unterstรผtzen kรถnne, sagte ich sofort zu. Ursprรผnglich wollte mein Sohn die Patenschaft fรผr den Jungen รผbernehmen, aber dann habe ich mir gesagt: Ach Quatsch, dann nehme ich eben alle beide.
Seitdem habe ich die Heritage Academy und meine beiden Patenkinder zweimal besucht – 2024 und 2025, ich bin dann immer vier Wochen dort.
Bei meinem ersten Besuch wohnten Cecilia und Gideon bei einer Lehrerin zusammen mit deren Kindern. Cecilia war sehr anhรคnglich und brauchte viel Aufmerksamkeit. Gideon war freundlich, aber er hat sein Ding gemacht.
Die beiden wissen, dass ich ihre Patin bin – aber ich bin nicht ihre „Tante“. Wenn ich ihnen Geschenke mitbringe, รผberreiche ich sie ihnen zu Hause. Das mรผssen ja nicht alle sehen.



Seit 2025 wohnen die Kinder in einem Gรคstehaus in Boabeng, das Mr. Boadi als Vorsitzender der D. K. Akowuah Memorial Foundation zusammen mit dem deutschen Fรถrderverein Yana – Kindern Zukunft schenken e.V. finanziert hat. In dem Gรคstehaus kรถnnen 5 Kinder wohnen, die mit Betreuenden wie eine Familie leben.

Ich wundere mich immer, dass Cecilia und Gideon nicht zurรผck zu ihren Eltern wollen. Aber das hรคngt wohl damit zusammen, dass sie sich in der Dorfgemeinschaft sehr wohl fรผhlen und spรผren, wie gut sich alle in der Heritage Academy um sie kรผmmern, damit sie mรถglichst viel lernen.
Gideon ist ein รberflieger: Er spricht Twi und Englisch, stellt sich ohne Zรถgern vor grรถรere Gruppen und spricht bei Festen und Veranstaltungen ins Mikro. Die Texte lernt er auswendig, das klappt bei ihm in kรผrzester Zeit.
Wenn ich zu Hause in Berlin bin, erfahre ich nur hin und wieder was von meinen Patenkindern. Der Lehrer Daniel schickt mir manchmal Fotos, bei Mr. Boadi kann ich auch nachfragen. So richtig eng ist der Kontakt nicht – ich mache ihnen deshalb aber keine Vorwรผrfe, sie sehen das eben anders.
Es gibt Patinnen und Paten, die Briefe an die Kinder schicken. Aber das ist denen eher etwas unangenehm, weil sie sich nicht von den Kindern abheben wollen, die keine Pateneltern haben.
Hier erzรคhlen die Eltern von Cecilia und Gideon, warum es ihnen wichtig ist, dass ihre Kinder zur Heritage Academy in Boabeng gehen kรถnnen. Ab 2:00 erzรคhlt Gideon, dass er nie gedacht hรคtte, dass er jemals zur Schule gehen wรผrde. Er freut sich, dass er viel lernen kann und neue Freunde gefunden hat.
