Lisa und Zoe waren vom 1. bis 26. Juli 2026 als Volontärinnen an der Heritage Academy in Boabeng / Ghana. Hier ihr Bericht.
Maakye – Guten Morgen
Die Sonne geht auf und somit startet unser Tag. Daniel holt uns ab, und mit dem „Motorbike“ geht es in die Schule. „Sicher, dass wir da zu dritt draufpassen?“, dachten wir uns am ersten Tag.
Quer durchs Dorf Boabeng, vorbei am Affenreservat Monkey Sanctuary geht es zum Hauptschulgebäude der kleinsten Schulkinder. Freudig werden wir von den Kindern erwartet und mit einem High Five begrüßt.
Sobald der Schulbus angekommen ist, geht es in Zweierreihen entlang der Hauptstraße zum Gebäude für „KG 3“ (Kindergarten) und „Basic 1-4“ (Klassen). Nach dem Öffnen des Eingangstors stürmen die Kinder über die Flure in ihre Klassenräume.






Wir bringen noch unsere Taschen ins Lehrerzimmer, und dann geht es los. Mit einem Schulbuch in der Hand betreten wir den Flur, und von allen Seiten heißt es: „Madame Zoe, Madame Lisa. Come to our class!“
Der Unterricht beginnt meist um 9 Uhr. Wir unterrichten vor allem Naturwissenschaften in allen Jahrgängen bis zur Mittagspause. Die Pausen verbringen wir mit Fußballspielen und Vorlesen, während die Kinder versuchen, uns einige Wörter auf Twi beizubringen. Das ist die regionale Sprache dort.
Maaha – Guten Tag
Bis der Schulbus mit dem Essen ankommt, spielen die Kinder draußen – und wir sitzen mit Kate vor dem Gebäude. Das Mittagessen ist da, und die Kinder stellen sich in einer Reihe vor der Köchin auf, die das Essen ausgibt.
Wir helfen mit und bringen die Schüsseln nach aufsteigenden Jahrgängen in die Klassenräume. Wenn alle aufgegessen haben, werden die leeren Schüsseln vorn im Flur gesammelt und von ein paar Kindern abgewaschen.



Nach der Mittagspause ist die Unterrichtsatmosphäre etwas entspannter, und wir haben Zeit, den Kindern UNO beizubringen. Zwischen dem ganzen „It`s your turn!“, „Play red!“ und „You are skipped!“ verlieren wir öfter mal die Übersicht.
Um ca. 15 Uhr geht es entlang der Straße wieder zum Hauptschulgebäude, wo die Kinder mit den Schulbussen nach Hause gebracht werden.



Von der Schule aus ist es nur ein kurzer Weg zum Brunnen. Hier füllen wir jeden Tag unsere Wasserflaschen auf. Anschließend geht es auch für uns nach Hause. Auf dem Rückweg machen wir einen kurzen Stop im Shop, um ein paar Kekse zu kaufen: „Nutri Snacks“ und „Shortbread Biscuits“.
Zu Hause angekommen treffen wir Patricia und ihren Sohn Adom. Bevor die Vorbereitungen für das Abendessen losgehen, spielen wir zu dritt Fußball vor dem Haus. Gegen 17:30 Uhr helfen wir Patricia, das Gemüse für den Stew zu schneiden, und sie bereitet den Rest vor.
Maadwo – Guten Abend

Nach dem Abendessen treffen wir uns mit Daniel und spielen UNO oder gehen gemeinsam zum Fußballschauen ins Dorf. Auf der Treppe laufen immer kleine Kätzchen umher – die ein oder andere traut sich auch in den Gemeinschaftsraum. Dort ist immer richtig gute Stimmung. „Five, Five Cedis!“, ruft Daniel – und jeder im Raum muss seinen Beitrag zu den Stromkosten zahlen.
Wenn das Spiel zu Ende ist, gehen wir nach Hause und mit Wassereimer und Seife in der Hand in die Duschkabine. Wir sind meist recht früh im Bett, denn am nächsten Morgen müssen wir wieder früh raus.
Unsere Zeit in Boabeng war ein unvergessliches Erlebnis: An den Wochenenden durften wir unter anderem den nahegelegenen Bono Manso Wasserfall erkunden, einen Baum im Graceland-Forest pflanzen, durch den Affenwald spazieren und lernen, wie man das „Moto“ fährt. Außerdem durften wir an mehreren Beerdigungen teilnehmen und dabei traditionelle Kleider tragen.
Dienstags hat uns Patricia manchmal auf den Markt nach Nkoranza mitgenommen, wo viele Lebensmittel und Kleidung angeboten werden. Wenn kein Taxi in der Nähe war, standen wir zu dritt die ganze Fahrt auf dem „Motorking“.
Joseph hat uns seinen Souvenirshop gezeigt, in dem wir einige schöne, selbstgemalte Bilder erwerben konnten. An einem Abend hat Daniel für uns Fufu (eine westafrikanische Speise aus Yam und Cassava) mit einer Pilzsuppe gemacht, und wir konnten es gemeinsam draußen vor seinem Haus genießen.
Wir freuen uns, Ghana auf diese Art und Weise mit seiner Kultur und seinen Menschen kennengelernt haben zu dürfen.




Nach ihrer Rückkehr nach Berlin haben Lisa und Zoe einige Fragen beantwortet. Ihre Antworten sind auch spannend für künftige Volontärinnen.
Warum wolltest du die Heritage Academy besuchen?
Lisa: Durch meine Tante kam der Kontakt zu „Bildung schafft Gerechtigkeit e.V.“ – das ist der deutsche Förderverein für die Heritage Academy in Boabeng / Ghana. Ich hatte mit ihr über mögliche Wege nach meinem Schulabschluss geredet, und sie hat mir dann von dem Projekt erzählt. Auf mich hat das alles sehr interessant gewirkt, sodass ich anschließend zu einer Versammlung der Organisation in Berlin mitgegangen bin und dort Fragen stellen konnte. Danach stand für mich fest, dass ich als Volontärin an dem Projekt teilnehmen möchte.
Zoe: Die Heritage Academy wollte ich besuchen, um die Schule zu unterstützen.
Wie hast du dich vorbereitet?
Lisa: Auf die Reise nach Ghana habe ich mich mit den entsprechenden Impfungen vorbereitet und Mückenspray gekauft. Außerdem habe ich mir die Infos der Organisation durchgelesen und mir ein paar Spiele überlegt, die wir mit den Kindern spielen könnten.
Zoe: Vorbereitet habe ich mich in Form von verschiedenen essenziellen Impfungen sowie einem gut gepackten Rucksack.


Welche Erwartungen hattest du?
Zoe: Wirkliche Erwartungen hatte ich keine. Ich wollte mir auch keine Gedanken im voraus ausmalen, sondern mich auf das einlassen, was kommt.
Lisa: Ich wollte mir nicht zu viele Erwartungen machen, sondern lieber alles auf mich zukommen lassen. Aber ich habe mich auf eine großartige Zeit an der Schule und einen komplett neuen Alltag gefreut.
Wie war die Anreise?
Zoe: Wir sind mit dem Flugzeug von Hamburg über Istanbul nach Accra geflogen. Dort angekommen haben wir eine Nacht in Charlie’s Guesthouse verbracht, bevor es am Abend mit dem Bus 11 Stunden nach Nkoranza ging. In Nkoranza hat uns ein Taxi direkt nach Boabeng zu unserer Unterkunft gebracht. Insgesamt war die Anreise sehr gut und problemlos.
Lisa: Von Accra haben wir am nächsten Tag den Nachtbus nach Nkoranza genommen. Der Busbahnhof war sehr voll, und es wurde schnell sehr dunkel. Ich war sehr aufgeregt und auch etwas überfordert. Zum Glück hat sich Wiliam (ein Mann, den wir vor Ort kennengelernt haben, weil er den gleichen Bus genommen hat) um uns gekümmert und ein Auge darauf gehabt, dass wir immer wissen, wann es Pausen gibt oder wo wir eine Toilette finden.
Die Fahrt ging echt schnell vorbei und war auch sehr komfortabel. Praktisch war es, dass wir den Großteil der Zeit geschlafen haben. Auch bei der Ankunft in Nkoranza hat sich Wiliam darum gekümmert, dass wir ein Taxi nach Boabeng bekommen, nachdem er mit Boadi, dem Manager, telefoniert hatte. Auf der Autofahrt konnten wir uns die schöne Landschaft anschauen und wurden wir immer aufgeregter. Kurz darauf sind wir auch schon in Boabeng angekommen und wurden von Boadi und Patricia empfangen.



Was ist dir gleich zu Anfang in Boabeng passiert?
Lisa: Da ich mich direkt nach der ersten Nacht in Boabeng öfter übergeben musste, hat Boadi beschlossen, dass es besser wäre, ins Krankenhaus zu fahren, um das überprüfen zu lassen. Nach einer Nacht konnte ich zum Glück schon wieder nach Hause.
Marla war die erste Volontärin in der Heritage Academy. Sie war gleichzeitig mit euch zu Besuch dort. Wie hilfreich war das für euch? Wie viele Tage hattet ihr mit ihr zusammen?
Lisa: Marla war in unserer letzten Woche in Boabeng, und es war schön, auch mit ihr nochmal über ihre Zeit als Volontärin zu reden. Durch ihre Erfahrungen war direkt ein gutes Verständnis für die Situation da, und bei Fragen oder Problemen hat sie uns immer unterstützt.
Zoe: Ich habe mich sehr gefreut, dass Marla und auch ihre Tochter zeitgleich mit uns da waren. Ich fand es toll, viel von der Zeit zu hören, als sie selbst für ein Jahr in Boabeng war und auch, dass es nicht immer leicht für sie gewesen ist. So habe ich mir auch den Stress genommen, mich von heute auf morgen zu 100 Prozent anpassen zu müssen. Insgesamt haben wir viel mit ihr und Daniel gemacht.

Wer hat euch besonders oft unterstützt?
Lisa: Besonders hilfreich war Daniel, da wir eigentlich jeden Tag etwas zusammen unternommen haben. Ob er uns mit zum Fußballschauen im Dorf genommen hat, abends noch mit uns zusammensaß und UNO gespielt hat oder wir noch gemeinsam in seinem Haus gegessen haben. Ich konnte mit jedem Problem zu ihm kommen, und wir hatten wirklich sehr schöne Gespräche, an die ich gern zurückdenke. Er hat immer dafür gesorgt, dass es uns gut geht und wir die Möglichkeit haben, noch andere Orte in der Umgebung zu entdecken, wie z.B. den Graceland Forest oder nahegelegenen Wasserfälle.
Zoe: Besonders unterstützt hat mich Daniel beziehungsweise Kofi. Wir haben viel mit ihm unternommen, er hat uns jeden Tag zur Schule gefahren und war für uns da, wenn es uns nicht so gut ging.
Wie war die Abreise?
Lisa: Bei der Abreise war ich traurig, Boabeng und die Menschen jetzt verlassen zu müssen, zu wissen, dass der neugewonnene Alltag nun nicht mehr Realität ist. Nachdem wir uns von Boadi und Patricia verabschiedet hatten, haben uns Daniel und Marla nach Nkoranza zum Bus gebracht. Wir sind wieder über Nacht gefahren und dann am Morgen in Accra angekommen.
Zoe: Die Verabschiedung vor allem bei den Kindern in der Schule war sehr traurig. Ich mochte die Zeit in Boabeng sehr. Vor allem nach unserem eher holprigen Start ist die Zeit so schnell verflogen. Nachdem Marla und Daniel uns zum Busbahnhof brachten, ging es zurück nach Accra, wo wir 2 weitere Wochen verbracht haben.



Wie geht es dir heute rückblickend? Was hast du gelernt? Was hast du vermisst?
Zoe: Die Zeit in Boabeng war unglaublich schön. Ich habe tolle Menschen und eine neue Kultur kennengelernt. Ich habe vor allem gelernt, dankbarer für das zu sein, was man hat, und wie es ist, mehr auf sich allein gestellt zu sein. In Deutschland habe ich mich gern daran erinnert, dass die Menschen in Ghana so hilfsbereit und freundlich waren. Das Lachen der Kinder in der Schule, die freilaufenden Tiere im Dorf, das Motorrad fahren und die Märkte in der nächstgrößeren Stadt vermisse ich besonders.
Lisa: Rückblickend freue ich mich sehr, diese Erfahrung gemacht zu haben. Auch wenn es nicht immer einfach war, ist es eine unvergessliche Zeit, und ich durfte im Austausch mit den Menschen und der Kultur so viel lernen. Es ist wichtig, jedem Menschen eine Chance zu geben und ihn auf seinem Weg zu unterstützen. Am meisten habe ich wahrscheinlich das Essen von zu Hause vermisst, weil ich nicht an die Schärfe im ghanaischen Essen gewöhnt war.
Wie kannst du deine Erfahrungen in deinen Lebenslauf integrieren?
Lisa: In meinem Lebenslauf kann ich es als Kinderbetreuung im Ausland einbringen.
Zoe: In meinen Lebenslauf kann ich die Zeit in Boabeng durch neue Erfahrungen gut einbringen.
Sie möchten als Volontär oder Volontärin bei der Heritage Academy in Boabeng / Ghana bewerben? Dann lesen Sie bitte diesen Text zur Vorbereitung.
Was würdest du den nächsten Praktikant*innen empfehlen?
Lisa: Ihr solltet offen für neue Erfahrungen und ein komplett anderes Leben sein. Die ghanaische Mentalität kann sehr unterschiedlich sein, aber ihr werdet auf viele nette und hilfsbereite Mensch treffen.
Zoe: Den nächsten Praktikant*innen würde ich empfehlen, sich nicht zu viele Gedanken zu machen und es einfach auf sich zukommen zu lassen.
>>> Hier finden Sie Fotos von den Klassen und den Lehrerinnen und Lehrern, die Lisa, Zoe und Marla im Juli 2026 in Boabeng gemacht haben.
