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14 Fragen an Isaac Sarkodie, Schulleiter der Heritage Academy in Boabeng / Ghana

In Boabeng und in dem benachbarten Ort Fiema leben rund 3100 Menschen – darunter viele Kinder. Doch nicht alle schulpflichtigen Kinder ab 6 Jahren gehen zur Schule, obwohl die private Heritage Academy mittlerweile die vierte Schule in dieser Region ist. Hier beantwortet Isaac Sarkodie, der Schulleiter der Heritage Academy, die wichtigsten Fragen.

1. Wie viele Schulen haben die Eltern von Schulkindern in der Region Boabeng-Fiema zur Auswahl?

In unserer Umgebung gibt es drei staatliche Schulen: die Boabeng DA Basic School, die Fiema Anglican Basic School und die Fiema Saviour Basic School. Die Heritage Academy kam 2019 als vierte Schule in der Community hinzu.

Zum Einzugsgebiet gehören der Ort Boabeng mit rund 1100 Einwohnern und der Ort Fiema mit rund 2000 Einwohnern.

2. Was hat Sie bewogen, die Heritage Academy zu gründen?

Um auch den Kindern, deren Eltern als Farmarbeiter über wenig Geld verfügen, eine qualifizierte Schulbildung zu bieten, haben wir die Heritage Academy gegründet.

Die meisten Eltern in Boabeng arbeiten in der Landwirtschaft und waren selbst weder in der Vorschule noch im Kindergarten, weil sie im Haushalt oder auf der Farm mithelfen mussten.

In der Heritage Academy können arme Eltern mittwochs für maximal 5 Stunden auf der Schulfarm mitarbeiten. So können sie das Schulgeld bezahlen. Diese Möglichkeit bieten andere private Schulen nicht.

Bevor wir unsere Schule in Boabeng gegründet haben, mussten wir viele Faktoren berücksichtigen:

Erstens hatten wir beobachtet, dass die meisten Eltern in ländlichen Gemeinden nicht wissen, wie wichtig es ist, sich gut um die ihre Kinder zu kümmern und sie gut zu erziehen. Deshalb haben wir uns entschlossen, die Eltern bei jeder sich bietenden Gelegenheit aufzuklären, damit sie die Schulbildung ihrer Kinder ernst nehmen.

Unsere Aufgabe in der Heritage Academy lautet also, „Eltern in ländlichen Gemeinden über die Notwendigkeit einer guten Schulbildung aufzuklären und Verantwortung für die Erziehung zu übernehmen“.

Zweitens hatten wir festgestellt, dass die meisten Kinder in ländlichen Gemeinden keine angemessene und qualitativ hochwertige Schulausstattung erhalten – zum Beispiel Bücher, Kugelschreiber, Bleistifte, Schulkleidung, Tische, Stühle und vieles mehr.

Unsere Aufgabe ist es also, eine „angemessene und qualitativ hochwertige Schuleinrichtung für Schulkinder bereitzustellen“.

Drittens erleben wir, dass die meisten Eltern und deren Kinder keine Umwelterziehung erhalten und nicht wissen, wie sie unsere Umwelt schützen können. Auch zum Schutz der Affen im nahe gelegenen Monkey Sanctuary möchten wir den Schulkindern schon in jungen Jahren nahe legen, dass wir keinen Müll in die Gegend werfen dürfen und mehr Bäume pflanzen sollten, um unser natürliches Erbe zu sichern.

Unsere Aufgabe lautet also, „die Verantwortung für die Umwelt zu einem wichtigen Teil der Schulbildung jedes Kindes zu machen“.


3. Bitte beschreiben Sie das Schulgebäude und das dazu gehörende Gelände.

Das Gebäude steht auf lokalem Sand, der Boden wurde zementiert, das Haus ist mit Eisenblech überdacht. Im Schulgebäude befinden sich drei Klassenräume und ein Büro für Verwaltungszwecke. An einer Seite wurde eine weitere Holzkonstruktion mit zwei Klassenräumen errichtet, die auch mit Eisenblech abgedeckt wurde. Zum Schulgebäude gehören auch eine Küche, das Büro wird zusätzlich als Lager für die Ernte genutzt.

Auf dem Außengelände können die Kinder in den Pausen spielen. Dort feiern wir auch die Feste mit den Eltern.

4. Wie können die Kinder die Heritage Academy erreichen?

Die Kinder aus der Gemeinde, die zur Saviour Church gehört, gehen zu Fuß zur Schule. Diejenigen, die außerhalb wohnen, werden von ihren Eltern mit dem Moped zur Heritage Academy gefahren, oder sie nehmen unseren Schulbus.


5. Was ist das Besondere der Heritage Academy – im Vergleich zu anderen Schulen?

Wir erwarten von unseren Lehrer*innen, dass sie alle Schulkinder gleich behandeln und liebevoll begleiten. Wir beachten die Kinderschutzrichtlinien, was an ghanaischen Schulen noch immer nicht selbstverständlich ist.

In der Heritage Academy ist es den Kindern verboten, sich gegenseitig zu beleidigen und Kämpfe auszutragen. Statt die Kinder zu bestrafen, reden wir viel mit ihnen und geben ihnen Ratschläge, was sie beim nächsten Mal besser machen können. Das vorbildliche Verhalten der anderen Schulkinder und der Lehrer*innen helfen ihnen, zu verstehen, wie sie – auch ohne Gewalt – gut miteinander auskommen.

Ganz wichtig ist uns, dass wir die Schulkinder bei Disziplinproblemen nicht schlagen – Rohrstöcke wie an anderen Schule in Ghana gibt es bei uns nicht.

Um den Kindern zu zeigen, welche Regeln uns wichtig sind, nutzen wir folgende Methoden:

  • Wir lassen die Kinder nicht mitspielen, wenn die anderen spielen.
  • Die Kinder müssen sich eine Weile allein beschäftigen.
  • Die Kinder müssen in der Pause im Klassenraum bleiben, während ihre Schulkameraden draußen spielen.
Schulleiter Isaac Sarkodie im Klassenraum.

6. Wie bringen die Lehrer*innen an der Heritage Academy den Kindern bei, was sie lernen müssen?

Unsere Unterrichtsmethoden und unsere Materialien unterscheiden sich wesentlich von dem, was in den staatlichen und anderen privaten Schulen üblich ist.

Wir zwingen unsere Kinder nicht zum Lernen. Wir zwingen unsere Kinder auch nicht, eine zweite Sprache – also Englisch – zu sprechen, sondern mischen das Englische beim Unterrichten spielerisch mit unserer Muttersprache namens Twi. Das läuft an anderen Privatschulen viel strenger ab.

Unser Ansatz ist es, – statt Druck auszuüben – den Schulkindern immer wieder zu erklären, wie wichtig es ist, in die Schule zu gehen, um dort alles für den späteren Beruf und für das Leben zu lernen.

In der Heritage Academy arbeiten wir spielerisch mit den Kindern. Denn wenn sie beim Spielen lernen, verstehen sie alles besser als beim reinen mündlichen Unterricht. Lernspiele gibt es anderen Privatschulen jedoch kaum.

Auch wie die Lehrer*innen mit den Kindern zusammenarbeiten, unterscheidet uns von anderen Privatschulen: Denn unsere Lehrer*innen gehen recht frei mit den Kindern um, wir spielen und lachen viel mit ihnen.

Isaac Sarkodie macht den Schuljungen eine Freude: Sie dürfen mit einem ferngesteuerten Auto spielen.

7. Wie haben Sie die Heritage Academy Schritt für Schritt aufgebaut?

Die Heritage Academy startete am 7. September 2019 mit 20 Schulkindern, zwei freiwilligen Lehrerinnen und einer Köchin.

Als die Lehrerinnen wieder an ihrer eigenen Schule unterrichten mussten, stellten wir eine andere Lehrerin ein. Leider mussten wir die Heritage Academy für ein Jahr schließen, als die Covid-19-Pandemie kam.

Nach der Covid-19-Pause haben wir ein Schulgebäude auf einem Grundstück der Gemeinde der Boabeng Saviour Church errichtet, das uns teilweise Landes kostenlos zur Verfügung gestellt wurde.

Die freiwilligen Lehrkräfte, die die Schule starteten, kamen nicht zu uns zurück, weil sie ihre Ausbildung als professionelle Lehrerinnen fortsetzen mussten. Deshalb haben wir die beiden Lehrerinnen eingestellt, die immer noch für die Schule arbeiten: Madam Modesta und Madam Justina.

Isaac Sarkodi (rechts) plant das Kiddiefest 2022 mit dem Lehrer Daniel.

8. Wie viele Kinder sind in den 5 Gruppen der Heritage Academy?

Wir teilen die Kinder in Altersgruppen ein und achten darauf, dass es möglichst gleich viele Mädchen und Jungen in einer Gruppe sind. Das klappt leider nicht immer, weil die Eltern meist mehr Jungen als Mädchen in der Heritage Academy anmelden.

Bis Ende 2023 werden wir weitere 20 Kinder aufnehmen, dann sind es insgesamt 100 Kinder. Für die Heritage Academy haben wir jetzt 6 Lehrer*innen, die beiden Köchinnen Doris Agyaa und Mary Dery und den Administrator Joseph Amponsah angestellt. Joachim Boadi leitet die D.K. Akowuah Memorial Foundation (Kontakt) und arbeitet als Projektmanager.

  • Basic 1: 10 Schulkinder im Alter von 6 Jahren in der 1. Klasse (4 Mädchen und 6 Jungen)
  • Kindergarten 2: 15 Kinder im Alter von 5 Jahren (9 Mädchen und 6 Jungen)
  • Kindergarten 1: 18 Kinder im Alter von 5 Jahren (7 Mädchen und 11 Jungen)
  • Nursery 2: 25 Kinder zwischen 2 und 4 Jahren (13 Mädchen und 12 Jungen)
  • Nursery 1: 31 Kinder zwischen 2 und 4 Jahren (19 Mädchen und 12 Jungen)

9. Welche Schulfächer werden an der Heritage Academy unterrichtet?

Im Kindergarten und in der Vorschule mit Level 2 unterrichten wir Mathematik, unsere Muttersprache Twi, die englische Sprache und kreatives Arbeiten. Hinzu kommt ein Schulfach, das wir „Unsere Welt – unsere Menschen“ nennen. Dabei geht es darum, den Kindern ein besseres Umweltbewusstsein nahe zu bringen.

Im Kindergarten Basic 1 unterrichten wir Mathematik, Naturwissenschaften, Twi, English und kreatives Arbeiten.

Jede Lehrkraft an der Heritage Academy muss die Anwesenheit der Schulkinder in der Klasse überprüfen, was an staatlichen Schulen oft vernachlässigt wird.

10. Welche Ausbildung haben die Lehrer*innen?

Die meisten unserer Lehrer* haben das Abitur auf der Senior Secondary School gemacht. Sie sind entweder als professionelle*r Lehrer*innen an einer Universität ausgebildet oder haben drei Jahre lang das Teacher Training College besucht. Im Studium muss man jedes Semester sechs bis acht Fächer belegen.

Die Regelungen im Bildungssektor von Ghana ändern sich häufig. Zu meiner Zeit war es so, wie ich es eben beschrieben habe.

Quelle: Wikipedia


11. Welche Fortbildungen können die Lehrer*innen wahrnehmen?

Unsere Lehrer*innen können Fortbildungen im Fernunterricht besuchen oder Kurse am Wochenende vor Ort besuchen.

Bildungsreise nach Sunyani 2022: Isaac Sarkodie (1. Reihe rechts außen) mit Lehrer*innen und Christina Plettner, Vorsitzende des Fördervereins Bildung schafft Gerechtigkeit e.V. (zweite Reihe Mitte)

2022 haben wir für die Heritage Academy die erste Lehrer-Fortbildung angeboten, die von unserem Förderverein Bildung schafft Gerechtigkeit e.V. (Kontakt) gesponsert wurde.

7 Personen aus Boabeng sind für ein Wochenende zu einer Lehrer*-Fortbildung nach Sunyani gefahren und haben dort bei Anita Schmidt und Reinhild Zenk (aus Deutschland) gelernt, mit welchen Methoden sie in ihrer Partnerschule namens Joyschool unterrichten.

Wir planen weitere Workshops an verschiedenen Orten und vielleicht sogar auch außerhalb von Ghana zur Weiterbildung, damit unsere Lehrer*innen mehr Erfahrung sammeln können.

12. Welche Aufgaben haben Sie als Schulleiter?

  • die Selbstdisziplin der Schulkinder fördern
  • den Lehrern Aufgaben zuweisen
  • Meetings mit den Mitarbeitern abhalten
  • den Stundenplan bei fehlenden Lehrer*innen aktualisieren
  • Schulfinanzen verwalten
  • Zulassungsunterlagen bearbeiten
  • Dokumente ausfüllen und ablegen

13. Was ist Ihr beruflicher Hintergrund?

Ich wurde in der Saviour Community geboren, die ein Teil von Boabeng ist. Nach dem Abitur habe ich 3 Jahre am Teachers Training College studiert.

Isaac Sarkodie (rechts) mit den Gründungsmitgliedern der D.K. Akowuah Memorial Foundation

Zusammen mit Joachim Boadi habe ich im Affenschutzreservat Monkey Sanctuary gearbeitet. 2019 haben wir die D.K. Akowuah Memorial Foundation (Kontakt) gegründet und die Heritage Academy aufgebaut.

Jetzt arbeite ich dort als professioneller und ausgebildeter Lehrer und unterrichte die Erstklässler. Seit 2022 leite ich die Heritage Academy.

14. Welche pädagogischen Ziele haben Sie für die nächsten Jahre?

Am 1. Februar 2024 wird die Heritage Academy in ein neues und größeres Schulgebäude umziehen. Während der Bauphase werden wir den Unterricht ganz normal weiter laufen lassen. Auf dem neuen Schulcampus werden wir genügend Platz für weitere 22 Schulkinder haben.

Mein pädagogisches Ziel für das Jahr 2023 ist es, die Lehrer*innen und die Volontär*innen so anzuleiten, dass sie das Richtige tun, damit die Kinder im Unterricht alles gut verstehen.

In der Heritage Academy sollen die Schulkinder ihre Talente entdecken und weiter entwickeln. Wir Lehrer*innen wollen ihnen deshalb vermitteln, wie wichtig eine intakte Natur als förderliches Umfeld für ihren Alltag und ihre Zukunft ist.

Mit geeigneten Maßnahmen werde ich dazu beitragen, dass sich die Lehrer*innen und die Schulkinder eine bessere Selbstdisziplin aneignen – denn ein nachlässiges Verhalten kann ich als Schulleiter nicht tolerieren. 

Damit wir unsere Ziele an der Heritage Academy erreichen, müssen wir uns ständig weiter bilden. Daher werde ich die Lehrer*innen mindestens einmal im Jahr zu Fortbildungen einladen.

Plan für das neue Schulgebäude der Heritage Academy in Boabeng / Ghana. Die Schule zieht im November 2023 um.

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